Anthropologische Konzepte In "Ackermann Aus Böhmen"

1560 words - 6 pages

Der um 1350 geborene 1387 als Notar und Leiter der Lateinschule in Saaz wirkende und als Stadtschreiber arbeitende Johannes von Tepl, verfasste 1401 „Den Ackermann aus Böhmen”. Dieser gehört zu den wichtigsten deutschen Dichtungen damaliger Zeit, wegen der Neuerungen, die der Autor verwendet hat, die sowohl in Gedanken als auch in der Form zu sehen sind. Es ist nur schwer zu beurteilen, zu welcher Epoche das Werk zu zählen ist, zum Mittelalter oder zur Renaissance? Es schildert zwei unterschiedliche Standpunkte - den des verzweifelten Ackermanns, der die Sprache der Renaissance spricht, und den des Todes, der die mittelalterliche Weltanschauung verkörpert. Also die Merkmale beider Epochen finden ihren Ausklang in dem Kunstwerk. Die Geschichte der Renaissancedichtung in Deutschland, wie Wolfgang Beutin und Klaus Ehrert in ihrem Buch schreiben, begann also mit einem isolierten und sehr frühen Experiment1. Er stellt aber die literarische Leistung ersten Rangs dar und deswegen ist ein Stück avantgardistischen Künstlertums, das in Grundzügen seiner Zeit um hundert Jahre voraus war. Die Verwendung von Prosa, die eigentlich für die Renaissance typisch war, galt als eine Innovation, weil alle Dichtungen im Mittelalter in Versen verfasst werden müssten.Der Grund, der den Tepl dazu bewegte „Ackermann aus Böhmen“ zu abfasen, war der Tod Tepls Frau, die im Kindbett gestorben ist. Die entstandene Dichtung ist ein wortgewaltiges Streitgespräch zwischen dem allegorisch dargestellten Tod und dem mutlosen Menschen. Der Verfasser folgte einem Ziel: „Die Klage um seine Frau ist Johannes von Tepl nicht Selbstzweck, mit dem Ackermann aus Böhmen verfolgt er ein wichtiges Vorhaben: die Gedanken des Humanismus in Deutschland zu verbreiten.”2Die Pest, die 1348 etwa 30 Prozent der Bevölkerung tötete, der allpräsente Tod, die übermäßige Buße, die Kirche und Bibel hatten einen enormen Einfluss auf die damals lebenden Meschen genommen. Die Pestepidemien und Hungersnöte führten zu einer Krisenstimmung, die in der Suche nach direkter Gotteserfahrung ihren Ausklang gefunden haben. Der Mensch stand nicht im Mittelpunkt der Welt, als ein wichtiges Individuum, wie es im Humanismus der Fall war. Im Gegensatz, Humanismus war eine Bewegung, die auf die Wiederentdeckung der antiken Kultur eingestellt war. Die sich in der Zeit des Humanismus schnell entwickelnde Welt verhalf den Menschen zu größerer Lebensfreude und zeichnete diese Epoche als Zeit der Lebensbejahung aus. Die Kirche erschütterte eine Lawine von Protesten und Reformationsbewegungen. Der Mensch war in seiner Beschaffenheit ins Zentrum gesetzt und als vollkommenes Gottesgeschöpf betrachtet.Die Anthropologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Entwicklung des Körpers, des Geistes und der Gesellschaft des Menschen beschäftigt. In „Ackermann aus...

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